Reiner Hartenstein: Sprüche, Kraftausdrücke

Reiner Hartenstein

 Parabeln, Prophezeihungen, und Provokationen
aus dem Jahr 1997


Kraftausdruecke eines zornigen Professors

Zum Standort Deutschland:

Wir wurden rechtzeitig gewarnt, aber niemend hat hingehoert.
Ist der deutsche Michel jetzt endlich bereit, zuzuhoeren ?

Da ist der Wurm drin. So uebersetzte schon Heinz Ehrhard "Made in Germany". Aber "made in USA, and we are proud of it" zeigt zupackendes Wir-Gefuehl, wie wir es brauchen zum Ueberleben gegen die Innovationsgesellschaften in Amerika und Fernost.4
Fuer die Gabe der Prophezeihung, so glaubten die Alten, sei ein bestimmter von Gott gesandter Zorn vonnoeten. (David Hume, Titelseiten von [1])

Den Schwarzseher schmerzt es am meisten, wenn er recht behaelt.
auf die Frage: ...Ihre Buecher haben einen schwarzen Einband. Sind Sie Schwarzseher? 2

Erschreckend ist die Naivitaet unserer Politiker, die neue Arbeitsplaeze durch Abbauen von Ueberstunden schaffen wollen - wie im vorigen Jahrhundert, wo ungelernte Arbeiter jederzeit austauschbar waren. Ein Facharbeiter fuer computergesteuerte Werkzeugmaschinen kann weder durch einen Stahlkocher noch durch einen Textilarbeiter ersetzt werden.4

Wissen ist Macht und wichtigster Produktionsfaktor. Millionen von uns haben heute ein Hochschuldiplom. Wir sind gebildet wie noch nie. Trotzdem steht unsere Wirtschaft, lebenserhaltendes System unserer Gesellschaft vor dem Infarkt. Was stimmt da nicht? Zu hohe Lohnkosten sind nicht die primaere Ursache. - (im Vorwort zu [1])

Unser Bildungswesen zuechtet Partisanen gegen die Wirtschaft [1].

Die tiefere Wurzel ueberlanger Studienzeiten liegt in den Versaeumnissen der Schulen [1].

Statt Bildung als Wohlfahrt brauchen wir Erziehung fuer unsere Wettbewerbsfaehigkeit [1].

High Tech per ordre di mufti, mit High-Tech-Laien an der Spitze: das funktioniert nicht.2

Innovation ist ein komplexes Kommunikationsproblem, was in Deutschland Manager selten und Politiker gar nicht begreifen. Das Geheimnis erfolgreicher Silicon Valleys ist das unergruendliche informelle Kommunikationsgeflecht, das weit in den Privatbereich und hinunter bis zu den Teenagern reicht.4

Satt im Geschichtsunterricht die Historie der Innovation lernen die Kinder immer noch die des Gallischen Krieges.2

Der Motor der Wirtschaft hat keine PS, sondern MIPS. Er heisst Mikrochip und veredelt fast alle Produkte. Wir muessen diese enorme Wertschoepfung wieder verstaerkt in Eigenregie erbringen, statt sie teuer zu importieren.2

Wir haben viele Arbeitsplaetze wegdiskutiert, die eine hohe Qualifikation voraussetzen. Und das, obwohl wir Deutschen - Weltmeister der Komplexitaet - die besten Mikrochip-Designer haetten werden koennen.2

Das deutsche Null-Bock-Paradox.

Mit Computeranalphabeten ist eine hohe Wertschoepfung nicht zu schaffen. Selbst Facharbeiter, wie etwa Dreher, muessen heute das Einmaleins der Informatik beherrschen.3

Die eierlegende Wollmilchsau gibt es wirklich: den Mikrochip [1].

Eine unerbittliche Regel bestimmt: was heute ein Vermögen kostet ist morgen ein alltäglicher Gebrauchsgegenstand [1].

Nur Peanuts sind heute mögliche Anwendungen der Mikrochips gegen das, was noch kommt [1].

Das ist die freiwillige Selbsentmannung des deutschen Michels, stillschweigend abgesegnet durch ein Parlament von High-Tech-Eunuchen: der Schildbürgerstreich des Jahrhunderts.
Hartenstein zum Ende der BMFT-Foerderung von Hardware-Forschung2

Das Herunterfahren der Hardware-Kompetenz ist eine der folgenschwersten politischen Fehlentscheidungen seit Bestehen der Bundesrepublik [1].
Hartenstein zum Ende der BMFT-Foerderung von Hardware-Forschung2


Unsere Abiturienten bevorzugen Studienfaecher ohne Chancen am Arbeitsmarkt. Verpoent sind vor allem Faecher, in denen man schon ein Jahr vor dem Diplom zehn Stellenagebote hat (wie z. B. Technische Informatik).

Wir müssen die Gesellschaft umbauen - zur Nation: nicht mit Blut und Eisen, sondern Grips und Chips. Das Wendemanöver ist nicht zu schaffen ohne Engagement der Medien, noch ohne unser Bildungswesen.4

Nur ein neues Feindbild kann uns dazu verhelfen, die zentrifugalen Kraefte unserer Gesellschaft wieder zu buendeln. Wir als Nation muessen uns voll auf den High-Tech-Handelsweltkrieg konzentrieren. Nur hier liegen unsere Chancen [1].

Grips und Chips. Im Informationszeitalter ist die Aufloesung unserer Gesellschaft nur durch ein neues Nationalbewusstsein zu verhindern: Grips und Chips statt Blut und Eisen [1].

Diese Sammlung gibt es nicht als Buch. Aber ein Teil dieser Sprueche stammt aus dem Buch:

[1] Reiner Hartenstein: Null Bock auf High Tech - Arbeitsplatz-Export: nur weil die Löhne zu hoch sind? - ITpress Verlag, Bruchsal/Chicago 1996, ISBN 3 - 929814-04-4, hardcover, 160 Seiten, Preis: DM 29,80 
 
Siehe auch: Was will Hartensteins Buch ?
2) PC Magazin DOS (5/1997)
3) DIE WELT, 12. 7. 96 oder http://hartenstein.de/WirreStatistik96.pdf
4) DIE WELT, 19. 2. 96 oder http://hartenstein.de/NullBock1996.pdf



© copyright 1997 Reiner Hartenstein

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