Besichtigung bei einem Internetprovider im SS 99:
Firma Schlund und Partner in Karlsruhe

 


 

Am Mittwoch, den 14. Juli fand im Rahmen der von Prof. Hartenstein gehaltenen Vorlesung elektronisches Publizieren eine Besichtigung der Karlsruher Firma Schlund+Partner statt, einem der größten Internet-Service-Provider, bei dem ca. 30% aller Domains “.de”, d. h. aller deutschen Internet Adressen beheimatet sind.
Zentrales Geschäftsfeld dieser Firma ist das Web-Hosting. Hinter diesem Begriff verbirgt sich das Angebot, Speicherplatz und Server-Rechenkapazität für Internetangebote zur Verfügung zu stellen. Zu diesem Zweck werden Mengen von Rechnern betrieben, die viele Geräteschränke füllen, die über drei 155 Mbit-Leitungen und mehrere 2 MBit-Leitungen Zugang zum Internet haben. Auf diesem Gebiet gehören Schlund+Partner, deren Mehrheitseigner die 1&1 Gruppe ist, zu den Marktführern im deutschsprachigen Raum.
Infolge des enormen Zuwachses dieses Geschäftsbereiches hat sich auch die Zahl der Mitarbeiter, die zur Zeit der Gründung der Firma vor etwa vier Jahren, noch bei zehn lag, mittlerweile auf 110 vervielfacht. Daß diese Expansion einen erhöhten Raumbedarf nach sich zog, konnten wir anhand der noch nicht ganz beseitigten Umzugsspuren beim einleitenden Rundgang durch die neubezogenen Räumlichkeiten in der Karlsruher Innenstadt feststellen. Die in den neuen Räumen derzeit noch großzügige Flächennutzung läßt darauf schließen, daß auch künftig mit einem starken Wachstum der Firma gerechnet wird.
Während der Besichtigung des Gebäudes wurden wir auch mit anderen Geschäftsfeldern der Firma Schlund+Partner vertraut gemacht. So wird beispielsweise der Internetautomarkt WebAuto von dort aus betreut. Zudem ist es möglich, dort, gegen entsprechende Gebühr, einen eigenen Rechner unterzustellen, der die schnellen Internetzugänge nutzen kann. Dieses sogenannte Server-Homing ist beispielsweise dann sinnvoll, wenn spezielle Hardware, ein spezielles Betriebssystem oder spezielle Software zum Einsatz kommen sollen oder vertrauliche Daten verwaltet werden.
Im neuen Rechenzentrum wurden sogenannte Lampertz-Räume eingerichtet. Dabei handelt es sich um hermetisch abgeschlossene Räume, die über separate Kühl- und Feuerlöschsysteme verfügen. Bricht dort ein Feuer aus, so wird dieses durch ein Gas, welches weder toxisch, noch sauerstoffverzehrend ist, gelöscht. Es erzielt seine Wirkung dadurch, daß es der Flamme direkt am Brandort Energie entzieht. So besteht für Personen, die sich während des Löschens innerhalb des Raumes befinden, keinerlei Gefahr. Auch an den übrigen Sicherheitsvorkehrungen wurde nicht gespart. So ist die Stromversorgung über eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) abgesichert, die im Falle eines Stromausfalles die Rechner über einen Zeitraum von 10 Minuten mit 360kW versorgt. Innerhalb kürzester Zeit fährt dann auch ein 650kW-Dieselaggregat an, welches ständig auf Betriebstemperatur gehalten wird, damit es nach spätestens 11 Sekunden maximale Leistung liefern kann.
Zuverlässigkeit durch Ausfallsicherheit ist das wichtigste Ziel des Hauses. Web-Seiten von Kunden, bei denen oft mehr als tausend Besucher gleichzeitig “anwesend” sind, laufen auf speziellen Rechnern mit mehreren redundanten Festplatten (RAIDs), wo ein als defekt signalisiertes Laufwerk ohne Betriebsunterbrechung sofort ausgetauscht werden kann. Auch der Anschluß ans Datennetz der Telekom erfolgt doppelt. Das Rechenzentrum der Firma ist aus Zuverlässigkeitsgründen über zwei verschiedene Standleitungen mit zwei verschiedenen Vermittlungsstellen-Standorten der Telekom verbunden.
Auf den Webservern läuft Apache unter LINUX. Dabei handelt es sich um ein extrem stabiles Betriebssystem, welches von zahlreichen freiwilligen Programmierern über das Internet entwickelt wurde und nun jedermann kostenlos zur Verfügung steht. Im Gegenzug für die Nutzung dieser Software stellen Schlund+Partner Platz für Open-Source-Projekte, also für Programme, deren Quellcode, wie der von LINUX, frei verfügbar ist, bereit. Natürlich war Fa. Schlund + Partner deshalb auch auf der Messe LINUX-Tag ‘99 in Kaiserslautern am 26./27. Juni 1999 vertreten
Im Anschluß an den Rundgang wurde ein kleiner Imbiß gereicht und ein kurzer Vortrag über Positionierung und Arbeitsabläufe gehalten. Daran schloß sich eine Diskussion mit mehreren “Schlundis” (so nennen hier die Mitarbeiter einander) nicht nur über technische, sondern auch über rechtliche und finanzielle Aspekte des Internetgeschäfts an.
Neben Dienstleistungen spielt Werbung eine besondere Rolle im Internetgeschäft. Die kleinen Werbeflächen (Banner), die auf vielen Internetseiten zu sehen sind, sind finanziell äußerst lukrativ. Bei der Honorierung wird dabei nach der Zahl der Betrachter und der Zahl derjenigen, welche die Werbefläche anklicken, unterschieden. Sie dienen aber auch zur Finanzierung kostengünstigen Speicherplatzes auf Internetservern (Webspace). In letzter Zeit hat sich zudem ein reger Tauschhandel mit Bannern entwickelt.
Auch die Abwicklung des Zahlungsverkehrs im Internet wurde angesprochen. Schlund+Partner entwickeln elektronische Zahlungssysteme und bieten ihren Kunden Baukästen für Internet Shops an. Ein derartiger Internetladen enthält bereits alle benötigten Komponenten und muß vom Kunden nur noch mit seinen Artikeln bestückt werden. Dieser kann die derart erstellten Seiten dann direkt ins Netz stellen und seinerseits auf Kunden warten.
Abschließend wurden dann die zukünftigen Entwicklungen im Internetmarkt erörtert, wobei insbesondere mobile Geräte thematisiert wurden. Im Mittelpunkt des Interesses stand dabei die Frage, welche Rolle rekonfigurierbare Hardware in diesem Rahmen spielen könnte und welche Dienste angeboten werden. Hier tat sich eine Brücke zu einem anderen Arbeitsschwerpunkt von Prof. Hartenstein auf, in dessen Arbeitsgruppe derzeit daran gearbeitet wird, die Grundlagen für eine speziell an den mobilen Einsatzbereich angepaßte “Low Power” KressArray-Architektur zu entwickeln. Eine WML (Wireless Markup Language) genannte Variante der Internet-Sprache HTML wird derzeit von einem internationalen Standardisierungs-Gremium beraten. Handies mit WML Internet-Browsern kommen bereits in wenigen Wochen in den Handel.
Wie in der Technologiebranche üblich, leidet auch Schlund+Partner am Mangel an Informatikern. So wurden uns die Arbeitsbedingungen, das Arbeitsklima, die vielfältigen Arbeitsgebiete und die hoch flexiblen Arbeitszeiten gepriesen. Die Arbeitsplätze der “Schlundis” gewinnen noch weiter an Attraktivität durch ihre Lage im Zentrum von Karlsruhe, zu Fuß nur wenige Minuten entfernt von lauschigen Biergärten.
So klang dann der Nachmittag auch in einem nahegelegenen Biergarten aus. Der noch sehr junge Firmen-Gründer Rainer Schlund, der lebhaft an die legendären Erfolgs-Twens des Silicon Valley erinnert, berichtete natürlich auch vom Abenteuer des Aufbaus der Firma. Natürlich wurden auch Möglichkeiten zur Kooperation zwischen der Arbeitsgruppe von Prof. Hartenstein und Schlund+Partner erörtert, von denen beide Seiten profitieren könnten.
Als Fazit dieser gelungenen Veranstaltung kann festgehalten werden, daß es gelungen ist, die Aspekte der Vorlesung um einige praxisnahe Eindrücke und interessante Details zu erweitern. Besonders die ungeheure Dynamik und Vielfalt des Internetmarktes wurde deutlich. Aber auch der Einblick in mögliche Tätigkeitsfelder des kommenden Berufslebens war aufschlußreich.


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