1.2. Die 60er: Von Routen und Päckchen...

    1962 übernahm Dr. J.C.R. Licklider ( 1990) die Forschung der ARPA auf dem Gebiet der militärischen Nutzung der Computertechnologie, insbesondere deren Vernetzung. Um schnellere Erfolge zu erzielen, bezog er nationale Universitäten in die Forschung mit ein.

    Den Hauptfeind immer vor Augen, war das strategische Problem schnell formuliert: wie könnten die amerikanischen Verantwortungsträger nach einem Atomkrieg noch miteinander kommunizieren ?

    Die ARPA kam zu dem Schluß, daß Amerika ein flächendeckendes Kommunikationsnetz benötigte. Es sollte Staaten, Städte und vor allem militärische Basen miteinander verbinden. Doch dessen Schaltstationen und Leitungen würden immer einem gezielten Nuklearanschlag ausgesetzt sein, egal wie stark diese geschützt oder abgeschirmt wären. Ein herkömmliches Netzwerk konnte diese Zuverlässigkeitsbedingungen nicht erfüllen.

    Wie aber sollte dieses neuartige Netzwerk gesteuert werden? Jede zentrale Autorität wäre ein offensichtliches Ziel für einen gegnerischen Angriff. Die auch auf diesem Gebiet tätige RAND Corporation behandelte dieses verzwickte Problem unter strengster Geheimhaltung.

    1962 machte Paul Baran von der RAND Corporation in seinen Arbeiten erste Vorschläge für ein packetvermittelndes Netzwerk.

    Baran's Vorschlag wurde 1964 publik: Basiskonzept war, daß es im Netzwerk keine zentrale Autorität gäbe, weiter sollte es schon im unvollständigen Anfangsstadium zuverlässig arbeiten.

    Die Prinzipien waren einfach. Das Netzwerk selbst wurde als jederzeit unzuverlässig angenommen. Es sollte von Anfang an seine eigene Unzuverlässigkeit überwinden. Alle Knoten im Netzwerk sollten den gleichen Status besitzen, jeder Knoten die Berechtigung haben, Nachrichten zu erzeugen, zu übertragen und zu empfangen. Die Nachrichten selbst sollten in Pakete aufgeteilt sein, wovon jedes einzeln addressiert würde. Jedes einzelne Paket hätte einen bestimmten Start- und einen bestimmten Zielknoten. Es sollte sich dann eigenständig seinen Weg durchs Netzwerk bahnen.

    Die genaue Route, die das Paket einschlägt, sollte unrelevant sein. Nur die angekommenen Daten sollten zählen. Also würde das Paket wie eine heiße Kartoffel von einem Knoten zum anderen weitergereicht werden, mehr oder weniger in Richtung des Zielknotens, bis es dann dort ankäme. Wären große Teile des Netzwerkes beschädigt, so wäre das nicht schlimm; das Paket würde sich seinen Weg über die noch intakten Knoten bahnen (Bild 1). Dieses auf den ersten Blick chaotisch anmutende System, mochte nicht das effizienteste sein (verglichen z.B. mit dem Telefonsystem) - doch es wäre extrem zuverlässig.

    Bild 1: Jeder Knoten benötigt Informationen über die Wege zu seinen Nachbarknoten.
    In den 60er Jahren wurde dieses fesselnde Konzept eines "bombensicheren", dezentralisierten, paketorientierten Netzwerkes von der RAND, dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der University of California, Los Angeles (UCLA) unter hohem Aufwand vorangetrieben. Das National Physical Laboratory (NPL) in Großbritannien installierte 1967 das erste Testnetzwerk basierend auf diesen Prinzipien.

     Kurz danach entschied die ARPA, ein größeres, ehrgeizigeres Konzept in den USA auf die Beine zu stellen. Die Knoten diese Netzwerkes sollten sehr schnelle Supercomputer sein. Zu der Zeit waren hohe Rechenleistungen selten und sehr teuer. Für nationale Forschungs- und Entwicklungsarbeiten wäre ein Zugriff auf diese Computer über ein leistungsfähiges Netzwerk von großem Interesse.

    Im Herbst 1969 wurde der erste Interface Message Processor (IMP) an der UCLA eingerichtet. Im Dezember des gleichen Jahres bestand das Mini-Netzwerk dann aus vier Knoten (Bild 2), das fortan, nach seinem Sponsor, ARPANET genannt wurde.

    Bild 2: Die ersten 4 Knoten des ARPANET: UCLA in Los Angeles, UCSB in Santa Barbara, Stanford Research Institute in Palo Alto und die Universität von Utah in Salt Lake City.
    Die vier Supercomputer konnten Daten über geeignete High-Speed-Leitungen übertragen und sogar von den übrigen Knoten aus programmiert werden.

    Dank ARPANET konnten Wissenschaftler und Forscher gegenseitig Rechnerleistung über große Entfernungen hinweg nutzen. Dies war ein sehr begrüßter Service, da in den frühen 70er Jahren die Rechenzeit sehr kostbar war.


Die 70er