1.3. Die 70er: Ein leistungsfähiges Protoll: TCP/IP

    Das Network Control Protocol (NCP) wurde 1970 Standard im ARPANET und im Jahr darauf (1971) umfaßte es schon fünfzehn Knoten. Mit der Einführung eines e-mail Programmes wurde im zweiten Jahr der Inbetriebnahme von ARPANET ein besonderes Phänomen sichbar: die meisten Benutzer des ARPANET hatten das für die Kommunikation von Computern vorgesehene Netz mehr oder weniger in einen elektronischen Hochgeschwindigkeits-Postdienst umfunktioniert. Die Mehrzahl der Übertragungen im ARPANET waren nämlich keine Berechnungen an entfernten Rechnern, sondern News und persönliche Mitteilungen. Foscher, die das ARPANET benutzten, um über Projekte zu diskutieren und ihre Arbeiten zu koordinieren, ließen es sich nicht nehmen, auf diesem Weg auch mal Klatsch und Tratsch zu verbreiten. Persönliche Benutzer-Accounts mit eigenen Mail-Adressen fanden demnach rasch Verbreitung. Viele nutzten also die Verbindung von Computern hauptsächlich als neue Möglichkeit der Mensch-zu-Mensch-Kommunikation Die Erfindung der mailing-list, eine Rundsendetechnik des ARPANET, bei der eine einzige Nachricht an eine Vielzahl von Netzteilnehmern geschickt werden konnte, entstand in diesem Umfeld. Eine der ersten großen mailing-lists war die "SF-LOVERS" für Science-Fiction Fans. Diskussionen über dieses und ähnliche Themen standen nicht in direktem Zusammenhang mit einer wissenschaftlichen Arbeit und wurden von vielen ARPANET System-Administratoren mehr geduldet als geschätzt, was ihre Beliebtheit aber nicht schmälern konnte.

    Das ARPANET wuchs in den 70er Jahren kontinuierlich. Die dezentralisierte Struktur des ARPANET unterstützte wesentlich seine Erweiterung. Im Gegensatz zu üblichen Computernetzen konnte das ARPANET viele verschiedene Rechnertypen miteinander verbinden. So lange diese Maschinen die Standardregeln der Paketübertragung beherrschten, waren Hersteller, Typ und Besitzer unwesentlich.

    Im Zuge dieses Wachstums sorgte im Oktober 1972 eine öffentliche Vorführung auf der ersten International Conference on Computer Communication für Aufsehen. Auf dieser Konferenz, die im Washingtoner Hilton Hotel stattfand, konnte die interessierte Öffentlichkeit dieses neue Kommunikationsmedium hautnah erleben. Mit Hilfe eines eilig dort installierten Terminal Interface Processors (TIP) konnte jeder das ARPANET benutzen und Anwendungen verteilt in den ganzen USA starten. Bei dieser spektakulären Vorführung wurden viele Skeptiker der ersten Stunde von der Antwortzeit und der Robustheit des Systems eines Besseren gelehrt. Aus diesem Treffen, wo auch das gesamte Who-Is-Who der damaligen Netzwerkszene anwesend war, ging die International Network Working Group (INWG) hervor. Hauptzweck dieser Vereinigung von Fachleuten war es, Einigkeit auf dem Gebiet der Protokolle zu erzielen.

    Die INWG brachte dann X.25, einen internationalen Standard für die Paketvermittlung über ein Netzwerk hervor. Außerdem brauchte man Standards für die kommerziellen Netzwerke in den USA, Kanada, Frankreich und Großbritannien wie z.B. Telenet, Datapac, das Experimental Packet Switching System, Transpac und das R\'eseau Communication par Paquet (RCP).

    1973 wurde ARPANET dann international: das University College of London und das Royal Radar Establishment (Norwegen) wurden vernetzt.

    Das File Transfer Protocol (FTP)wurde spezifiziert und erste Vorschläge für Ethernet geäußert.

    Die Verbindung von heterogenen Netzwerken stellte noch immer ein schwieriges Problem dar. Die ARPA, allen voran Bob Kahn und Vinton Cerf (Vinton Cerf ist heute Senior Vice President bei der Data Service Division von MCI) , startete ein Forschungsprogram, das die Lösung dieses Problem zum Ziel hatte: Gateways sollten diese Verbindungen übernehmen.

    Erste Resultate waren schon 1974 zu vermelden: das bisherige NCP sollte nach Bob Kahn und Vinton Cerf's Publikation "A Protocol for Packet Network Intercommunication" durch das neue Transmission Control Protocol (TCP) ersetzt werden.

    Mitte 1975 wurde das Management des ARPANET von der DARPA (Aus ARPA wurde mittlerweile DARPA, Defense Advanced Research Projects Agency) zu einer eigenen Organisation, der Defense Communication Agency (DCA, heute DISA) übertragen.

    TCP und das komplemantäre Internet Protocol (IP) erwiesen sich als äußerst leistungsfähig. 1977 gelang es, vier verschiedenartige Netzwerke, nämlich das ARPANET, das für Satellitenübertragung eingeführte SATNET, Ethernet und das funkorientierte PRNET miteinander zu verbinden..

    Um das als zukunftsweisend angesehene TCP/IP zu perfektionieren, wurde 1979 das Internet Configuration Control Board (ICCB) gegründet. Im gleichen Jahr wurde USENET mit den ersten newsgroups eingeführt.


Die 80er