1.4 Die 80er: größer, schneller und für jeden: das NSFNET

    In den 80er Jahren wurden leistungsfähige Computer für die verschiedensten sozialen Gruppen erschwinglich und auch die Anbindung an ein Netz erforderte keinen außergewöhnlichen Aufwand . Die Verbreitung von TCP/IP führte dazu, daß ganze Netzwerke sich mehr oder weniger organisiert ins ARPANET einhängten. Da TCP/IP frei verteilt wurde und die Basistechnologie des Netzes dezentral war, wurde es sehr schwer zu kontrollieren, wer sich wo und warum Zugang zum Netz verschaffte.

    Gegen 1980 wurde TCP/IP zum Standard im militärischen Bereich der Datenübertragung. Nun wollte man dafür sorgen, daß auch alle Computer im ARPANET das TCP/IP benutzten.

    Das BITNET wurde 1981 hauptsächlich eingeführt, um IBM-Mainframes aus Universitäts-Rechenzentren miteinander zu verbinden.

    Nach einigen Testphasen wurde am 1. Januar 1983 definitiv im ARPANET von NCP zu TCP/IP umgeschaltet. Um die Evolution der TCP/IP Protokollfamilie zu kontrollieren wurde im gleichen Jahr das Internet Activities Board (IAB) gegründet. Gleichzeitig entwickelte man an der Universität von Wisconsin den ersten Name Server. Er ermöglichte es den Netzbenutzern, entfernte Hosts zu adressieren, ohne den genauen Pfad zu kennen. Mit Berkeley UNIX wurde IP-Netzwerksoftware jetzt auch für Desktop-Workstations verfügbar.

    Ebenfalls 1983 machte sich der militärische Teil des ARPANET selbständig und wurde zu MILNET (zuerst Defense Data Network, DDN). Dank TCP/IP blieben beide jedoch miteinander in Verbindung. Obwohl ARPANET selbst noch wuchs, verblaßte es doch im Vergleich zu den explosionsartig wachsenden, hinzugelinkten neuen Netzwerken.

    Während DARPA und DCA ihre Verbündeten dazu bewogen, auf TCP/IP umzustellen, griff 1984 die National Science Foundation (NSF) über ihr Office of Advanced Scientific Computing ins Geschehen ein. Das neu gegründete, auf TCP/IP basierende NSFNET (zuerst Computer Science Network, CSNET) war Maßstab für den technologischen Fortschritt indem es neuere, schnellere Supercomputer mit dickeren, schnelleren Leitungen verband. Mit NSFNET konnte damals als Novum ein mail-Dienst über Telefonleitungen angeboten werden. Erstmals konnte jetzt die breite Öffentlichkeit, die bislang keinen Zugang zum ARPANET hatte, mit dem NSFNET die Dienste eines überregionalen Computernetzes benutzen. Besonders Universitäten nutzten dies, um ihre Ausbildung zu verbessern.

    Während 1984 auch die ersten Domain Name Server (DNS) eingeführt wurden, wuchs die Zahl der teilnehmenden Hosts auf über 1.000.

    Das NFSNET wurde konsequent weiterentwickelt: zuerst 1986 und besonders 1988, als MERIT an der Universität von Michigan zusammen mit MCI und IBM ein 1,5 Mbps Backbone (Das 1,5 Mbps Backbone wurde auch als Evolutionsstufe T1 bezeichnet) entwickelten. Das NFSNET wurde damit rund 30mal schneller als mit dem vorherigen ARPANET-Standard von 56 Kbps. Auch andere Regierungsstellen klinkten sich jetzt ein: die NASA, das National Institute of Health, das Department of Energy... Das NSFNET mit seinen mittels TCP/IP verbundenen lokalen Netzwerken wurde fortan in der Öffentlichkeit als "Internet" bekannt. Die Zahl der Host war auf über 10.000 gewachsen.

    Das NSFNET dehnte sich über die ganze Welt aus: 1988 wurden Dänemark, Finland, Frankreich, Kanada, Island, Norwegen und Schweden aufgenommen.

    ARPANET selbst hörte 1989 auf zu existieren. Es konnte die wachsenden Anforderungen an Geschwindigkeit und Übertragungsmengen nicht mehr erfüllen und wurde somit ein Opfer seines überwältigenden Erfolges. Seine Benutzer merkten kaum etwas davon, da die Funktionen des ARPANET durch das NSFNET nicht nur weiter angeboten wurden, sondern sich kontinuierlich weiterentwickelten. Der TCP/IP Standard für Computer-Netzwerke war mittlerweile weltweit etabliert.

    Die Zahl der Hosts des Netzes stieg auf über 100.000 und es kamen weitere Teilnehmer dazu: Australien, Deutschland, Großbritannien, Israel, Italien, Japan, Mexiko, die Niederlande, Neuseeland und Puerto-Rico.

    Die 80er Jahre waren aber auch durch das Aufkommen von kommerziellen Internet-Anwendungen gekennzeichnet: das Interesse am Internet in der Forschung, der Lehre, der Regierung und auch der Bevölkerung garantierten ein weites Kundenspektrum für engagierte Firmen. Dieser Trend zur Kommerzialisierung sollte sich in den 90er Jahren weiter fortsetzen.


Die 90er