1.5 Die 90er: Der Siegeszug des World Wide Web

    Die Wachstumsrate des Internet in den frühen 90er Jahren entwickelte sich exponentiell in bezug auf Zahl der Netzwerke, Zahl der Hosts und Übetragungsvolumen. Das Netz wuchs sogar schneller als der Verbreitungsgrad von Mobiltelefonen oder Faxgeräten.

    1990 traten Argentinien, Belgien, Brasilien, Chile, Griechenland, Indien, Irland, Österreich, Süd-Korea, Spanien und die Schweiz dem NSFNET bei.

    Die Übertragungskapazität des NSFNET wuchs 1991 auf über eine Billion Bytes pro Monat. Währenddessen wurde das NSFNET-Backbone auf 44 Mbps (Dies war die Evolutionsstufe T2) hochgefahren. Neu im Netz waren Hong-Kong, Kroatien, Polen, Portugal, Singapur, Süd-Afrika, Taiwan, Ungarn und die Tschechien.

    1992 wurde die Internet Society (ISOC) gegründet um die weltweiten Aktivitäten im und ums Internet zu koordinieren. Anschluß ans NSFNET bekamen im gleichen Jahr: Ekuador, Estland, Kamerun, Kuwait, Litauen, Luxemburg, Malaysia, die Slowakei, Thailand, Venezuela und Zypern.

    Ein Grund für dieses spektakuläre Wachstum des Internet ist in einer Reihe von neuen Diensten zu sehen, z.B. Archivierungs- und Suchdienste, die es dem User ermöglichten, sich in den riesigen Datenmengen des Netzes zu orientieren. Viele dieser Dienste machten den Weg von einem Forschungsprojekt einer Universität zu einer kommerziellen Anwendung. Beispiele hierfür sind: der Wide Area Information Service (WAIS), Archie (wird mittlerweile von der kanadischen Firma Bunyip betrieben), LYCOS von Carnegie Mellon und YAHOO aus Stanford. Eine wahre Killeranwendung für das Netz und diese Dienste war (und ist) das Anfang der 90er aufgekommene World Wide Web (WWW).

    Am European Center for Particle Research (CERN) entwickelt, wurde das WWW in experimenteller Form schon 1989 erprobt. Offiziell wurde es aber erst 1991 zur Benutzung freigegeben. Es erregte eigentlich am Anfang kein größeres Aufsehen, bis 1992 ein junges Programmierteam am National Center for Supercomputing Applications (NCSA) an der Universität von Illinois auf das Web aufmerksam wurde. Es entwickelte Mosaic, einen graphischen Webbrowser. Mosaic wurde übers Internet gratis zum download angeboten. Es wurde ein riesiger Erfolg. Die Möglichkeit, übers Netz Bilder, Töne, Video-Clips und Texte in einem Hypertext-System anzubinden faszinierte viele Software-Provider. Zwischen 1992 und 1995 wurde eine Menge von kommerziellen Webbrowsern und -servern angeboten, darunter auch die Produkte von Netscape Communications. Das Internet wurde mit diesen neuen Hilfsmitteln plötzlich kinderleicht zu bedienen. Man mußte eigentlich nur eine Maus betätigen können (point and click). Die Attraktivität von Hyperlinks und graphischem Interface verhalf Netscape Communications zur Position des Marktführers, ja fast zum Monopolisten.

    Auch das Weiße Haus in Washington ging jetzt online (http://www.white\-house.gov): Präsident Bill Clinton (president@whitehouse.gov), Vize Al Gore (vice-president@whitehouse.gov) und First Lady Hillary Clinton (root@whitehouse.gov). Die Vereinten Nationen (UN) waren ebenfalls elektronisch erreichbar.

    NSFNET nimmt 1993 noch einige Nachzügler auf: Ägypten, Bulgarien, Costa Rica, die Fiji-Inseln, Ghana, Guam, Indonesien, Kasachstan, Kenia, Liechtenstein, Peru, Rumänien, Rußland, Türkei, Ukraine, die Vereinigten Arabische Emirate und die Jungfern-Inseln.

    Der Datenfluß übers NSFNET überstieg 1994 zehn Billionen Bytes pro Monat und das WWW wurde der zweitbeliebteste Netzdienst, hinter dem FTP, aber jetzt vor Telnet.

    Im April 1995 wurde in einer aufwendigen Aktion das NSFNET-Backbone abgeschaltet: Für die Netzbenutzer erfolgte dies fast unbemerkt, was aber nur durch Initiativen der mittlerweile selbständig agierenden Internet-Serviceprovidern möglich war. Anstelle eines ehemals vollständig von der Regierung gesponsorten Systems existierte nun ein System von kommerziellen Backbones. Das NFSNET selbst besann sich auf seine Ursprünge und wurde wieder zu einem Forschungsnetzwerk. Das WWW wurde 1995 zum wichtigsten Netzdienst, was die Übertragungsmengen anging. Lag es daran daß der Vatikan online ging (http://www.vatican.va) ?


Die Dienste des Internet